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Plötzlicher Pflegefall

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7 Erste Schritte im Pflegefall

Oft kommt ein familiärer Pflegefall ganz plötzlich und ohne Vorwarnung. Ein Unfall, eine Erkrankung, eine Operation – es gibt viele Gründe, aus denen ein Familienmitglied pflegebedürftig werden kann. Bis dahin bestimmten noch Arbeit, Familie und Freizeitaktivitäten Ihren Alltag. Doch plötzlich steht ein ganz anderes Thema im Mittelpunkt.
Wir unterstützen Sie! Unser Pflegeguide zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was bei einem plötzlichen Pflegefall wichtig ist, welche Maßnahmen Sie zuerst einleiten sollten und wie Sie alle nötigen Anträge, Hilfsmittel und Unterstützer finden. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

1. Pflegebedarf erfassen:

Der erste Schritt besteht immer in der Einschätzung der Situation. Benötigt Ihr Angehöriger jetzt sofort Ihre Hilfe, oder wurde dieser auf Grund einer Krankheit oder eines Unfalls in einer Klinik untergebracht? Wann kommt Ihr Angehöriger zurück ins eigene Zuhause und wie hoch ist der voraussichtliche Pflegeaufwand? Um überhaupt einschätzen zu können, wie groß der Pflegeaufwand und wie zeitintensiv die kommende Organisation werden wird, ist es essenziell, zu allererst den Pflegebedarf zu erfassen.

Im Zentrum steht dabei die Frage, welche körperlichen und geistigen Einschränkungen entstanden sind und bei welchen täglichen Aufgaben die pflegebedürftige Person ab sofort Unterstützung benötigt. Es macht einen großen Unterschied, ob lediglich beim täglichen Spaziergang Gesellschaft geleistet wird, mehrmals täglich kleinere Pflegetätigkeiten anfallen oder ob eine 24-Stunden-Pflege benötigt wird. Erst wenn Sie wissen wie hoch der Pflegebedarf ist, können Sie eine geeignete Pflegeform auswählen.

Um eine professionelle Einschätzung zum Pflegebedarf zu erhalten, schreiben Sie Ihrer Krankenkasse eine formlose E-Mail (oder rufen Sie einfach an), mit dem Wunsch einer kurzfristigen Begutachtung. Daraufhin wird sich ein Gutachter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) mit Ihnen in Verbindung setzen und einen Termin vereinbaren. Bei diesem Termin wird der Pflegegrad der betroffenen Person festgelegt, welcher einerseits die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit klären, andererseits die Höhe der Leistungen der Pflegeversicherung bestimmen soll. Auch wenn bereits ein Pflegegrad vorhanden ist, sollte bei einer Verschlechterung der Situation eine neue Begutachtung beantragt werden.

2. Pflegeberatung einholen:

In einer heiklen Situation wie dieser ist guter Rat kostenfrei! Zum Glück gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich rund um das Thema Pflege zu informieren. Ob im Internet, beim Besuch einer Beratungsstelle oder durch ein Telefonat – viele Institutionen helfen Ihnen in Ihrer Situation durch eine professionelle und kostenfreie Beratung. Nutzen Sie diese Möglichkeit, denn das geschulte Personal weiß fast auf jede Frage eine Antwort und kennt die Abläufe bei einem plötzlichen Pflegefall besser als jeder Laie. Die wichtigsten Beratungsstellen sind:

  • Krankenkasse: Hier erhalten Sie eine kostenfreie Pflegeberatung.
  • Arzt und/oder Klinik: In der Regel können die behandelnden Ärzte eine gute Einschätzung über den Zustand Ihres Angehörigen geben. Besonders dann, wenn die Pflegebedürftigkeit durch eine Krankheit, Operation oder medikamentöse Behandlung ausgelöst wurde.
  • Pflegestützpunkt: Bei einem Pflegestützpunkt finden Sie in der Regel schnell Hilfe zu allgemeinen Fragen bezüglich Pflegekasse, Pflegegeld und Pflegegrad. Pflegestützpunkte werden von Krankenkassen auf Initiative eines Bundeslandes eingerichtet und sind in allen größeren Ortschaften aufzufinden.
  • Sozialamt: In vielen Fällen hilft das Sozialamt. Insbesondere dann, wenn das Einkommen oder die Rente/Pension der pflegebedürftigen Person gering ist. Das Sozialamt erreichen Sie am besten über die Hotline Ihrer Stadtverwaltung.
  • Bürgertelefon: Das Bundesministerium für Gesundheit ist ein zuverlässiger Ansprechpartner bei Fragen rund um das Thema Pflegekasse.
    • Bürgertelefon zur Krankenversicherung: 030 / 340 60 66 – 01
    • Bürgertelefon zur Pflegeversicherung: 030 / 340 60 66 – 02
  • 1ACare: Natürlich erhalten Sie zudem im 1ACare Wegweiser alle benötigten Informationen zum Thema Pflege. Auch bei der Suche nach Pflegehilfsmitteln oder Dienstleistern helfen wir gerne!

Es ist durchaus ratsam, mehrere Beratungsstellen zu nutzen und von den jeweiligen Schwerpunkten der einzelnen Institutionen zu profitieren. Grundsätzlich gilt: Fragen kostet nichts! Und wer sich mit der Thematik ausreichend beschäftigt, der verliert auch schnell das Gefühl der Hilfslosigkeit. Denn gerade dann, wenn ein Angehöriger auf Ihre Hilfe angewiesen ist, ist es wichtig, dass Sie den Überblick behalten, um ihm oder ihr eine Stütze sein zu können.

3. Pflegeform wählen:

Haben Sie sich ausreichend informiert und wissen nun, welcher Pflegeaufwand zu erwarten ist, dann gilt es, eine passende Form der Pflege zu finden. In Deutschland werden rund zwei Drittel aller Pflegebedürftigen im eigenen Zuhause gepflegt. Die Pflege im eigenen Zuhause kann entweder durch einen ambulanten Pflegedienst erfolgen, oder durch die private Pflege durch Angehörige. Mischformen sind ebenfalls gängig und in zahlreichen Varianten möglich.

Auch eine 24-Stunden-Pflege (in vielen Fällen durch ausländisches Pflegepersonal) ist eine Variante, die immer häufiger genutzt wird. Voraussetzung für die Pflege in den eigenen vier Wänden ist jedoch eine geeignete häusliche Situation. So könnte ein Badumbau oder der Einbau eines Treppenlifts nötig sein, um die Wohnsituation altengerecht und barrierefrei zu gestalten. Auch sollte bei Demenz darauf geachtet werden, dass die Wohnung sicher eingerichtet ist. Zudem sollte nicht unterschätzt werden, wie viel Zeit und Energie eine private Pflege kosten kann. Zwar ist es möglich, eine sogenannte Pflegezeit zu beantragen, um für einen gewissen Zeitraum von der Arbeit freigestellt zu werden, allerdings eignet sich dieses Konzept nicht für eine dauerhafte private Pflege.

Im Gegensatz zur Pflege im eigenen Zuhause, ist bei der stationären Pflege der Umzug in eine spezielle Pflegeeinrichtung nötig. Die Auswahl ist groß, denn neben dem klassischen Altersheim gibt es z.B. auch noch das betreute Wohnen, Service-Wohnen und luxuriöse Seniorenresidenzen. Der große Vorteil ist, dass dort rund um die Uhr eine professionelle Pflege gewährleistet werden kann und die Angehörigen komplett entlastet werden. In der Regel handelt es sich bei einem Umzug in eine stationäre Einrichtung jedoch um die „letzte Wahl“, denn oft wird ein solcher Ortswechsel von den Pflegebedürftigen strikt abgelehnt.

Auch eine teilstationäre Lösung ist möglich, bei der die pflegebedürftige Person tagsüber oder nachts in eine stationäre Einrichtung gebracht wird, den Rest der Zeit jedoch im eigenen Zuhause verbringt. Neben Tages- und Nachtpflege können hier die sogenannten tagesstrukturierenden Maßnahmen genutzt werden. Tagesstrukturierende Maßnahmen helfen dabei, pflegebedürftigen Personen nach wie vor Freizeitaktivitäten und ein soziales Umfeld bieten zu können, denn der Kontakt nach außen kommt bei der ambulanten Pflege häufig zu kurz.

4. Pflegekasse einbeziehen:

Egal für welche Pflegeform Sie sich entscheiden, es gibt in jedem Fall Unterstützung von der Pflegekasse – vorausgesetzt die pflegebedürftige Person hat einen gültigen Pflegegrad. Grundsätzlich wird zwischen Geld- und Sachleistungen unterschieden. Diese werden meist als Pflegegeld oder Pflegesachleistungen erbracht. Das Pflegegeld wird nur an die ehrenamtlich pflegenden Angehörigen im Rahmen einer privaten ambulanten Pflege gezahlt, wohingegen mit den Pflegesachleistungen beispielsweise Dienstleister oder stationäre Einrichtungen bezahlt werden.

Wie hoch die jeweiligen Beträge sind, hängt maßgeblich vom Pflegegrad ab. Es gibt jedoch auch Leistungen, die bei jedem Pflegegrad gleich sind. So zum Beispiel eine Pauschale von 40 € im Monat, die für Pflegehilfsmittel vorgesehen ist - Mit dieser Pauschale kann etwa eine monatliche Hilfsmittelbox finanziert werden. Auch wohnumfeldverbessernde Maßnahmen stehen bei jedem Pflegegrad zur Verfügung. Hier wird ein barrierefreier Umbau der eigenen vier Wände (z.B. ein altengerechter Badumbau oder die Installation eines Treppenlifts) mit bis zu 4.000 € gefördert.

PflegegradGeldleistung (ambulant)Sachleistung (ambulant)Entlastungsbetrag (ambulant, aber zweckgebunden)Leistungsbeitrag (vollstationär)
1--125€125€
2316€689€125€770€
3545€1.298€125€1.262€
4728€1.612€125€1.775€
5901€1.995€125€2.005€
*Geldleistungen (ambulant) beziehen sich auf das Pflegegeld. Sachleistungen (ambulant) beziehen sich auf die Pflegesachleistungen. Diese können etwa genutzt werden, um ambulante Dienstleister zu bezahlen. Der Entlastungsbetrag wird unabhängig von anderen Leistungen erbracht und ist zweckgebunden (z.B. für Beratungsgespräche). Der Leistungsbetrag (vollstationär) gilt für den Aufenthalt in einer stationären oder einer teilstationären Pflege.

Achtung: Werden Ihre Eltern zum Pflegefall, sind Sie als Angehöriger zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet. Dies betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Enkelkinder. Dieser Fall tritt allerdings erst dann ein, wenn das Vermögen der Eltern aufgebraucht ist und diese nicht mehr selbst für Ihre Pflege aufkommen können.

5. Pflegehilfsmittel beantragen:

Oft sind Pflegehilfsmittel eine gute Lösung, um der beeinträchtigten Person den Alltag zu erleichtern. Die gute Nachricht: Wenn das Hilfsmittel wirklich benötigt wird, dann wird es in der Regel auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Grundsätzlich zahlt die Krankenkasse das Standard-Modell, so dass nur die Rezeptgebühren in Höhe von 5 – 10 € selbst gezahlt werden müssen. Mit einem Kassenrezept können Sie aber auch höherwertige Hilfsmittel für einen erheblich günstigeren Preis erhalten. Informieren Sie sich also rechtzeitig, welches Modell wirklich benötigt wird.

Hilfreiche Hilfsmittel sind:

  • Mobilitätshilfen (Gehstock, Rollator, Rollstuhl...)
  • Pflegemöbel (Pflegebett, Pflegematratze, Sitz- und Stehhilfen...)
  • Alltagshilfen (Bandagen, Kompressionshilfen, Schuhe, Einlagen...)
  • Hygiene- und Badhilfen (Toilettensitze, Badewannenlifter, Inkontinenzhilfen...)
  • Spezielle Hilfsmittel (Messgeräte, Therapiegeräte, Absauggeräte…)
Die beste Anlaufstelle für den Kauf von Hilfsmitteln (mit und ohne Rezept) ist das Sanitätshaus. Für das Fachpersonal sind die Prozesse und bürokratischen Abläufe mit der Krankenkasse Tagesgeschäft. Finden Sie auf 1ACare schnell und unkompliziert ein passendes Sanitätshaus und bestellen Sie Hilfsmittel direkt online.

6. Rechtliches klären:

Eine ungern gestellte, aber sehr wichtige Frage ist, ob die pflegebedürftige Person in ihrer aktuellen Lage noch eigene Entscheidungen treffen kann. In vielen Fällen – insbesondere bei Demenz – ist dies nicht mehr der Fall und es ist ratsam, sich möglichst schnell um benötigte Vollmachten und Verfügungen zu kümmern. Die wichtigsten Dokumente in diesem Zusammenhang sind: Vorsorgevollmacht, Betreuungsvollmacht und Patientenverfügung.

Vorsorgevollmacht: Die Vorsorgevollmacht bemächtigt dazu, wichtige Entscheidungen im Namen der pflegebedürftigen Person zu treffen. Auch Verträge, Bankgeschäfte etc. können von der bevollmächtigten Person abgeschlossen werden. Es gibt verschiedene Bereiche, für die eine Vorsorgevollmacht ausgesprochen werden kann. Der große Vorteil einer Vorsorgevollmacht ist, dass bis ins kleinste Detail festgelegt werden kann, welche Bereiche abgedeckt werden sollen. Die Vorsorgevollmacht tritt in der Regel dann in Kraft, wenn die pflegebedürftige Person die jeweiligen Aufgaben nicht mehr selbstständig erledigen kann.

Betreuungsvollmacht: Bei einer Betreuungsvollmacht wird festgelegt, wer die Betreuung der pflegebedürftigen Person übernimmt. Unter Betreuung versteht man im Allgemeinen die gesetzliche Vertretung einer Person. Die Hauptaufgaben als Betreuer umfassen dabei unter anderem die Verwaltung des Vermögens, die Regelung der Wohnsituation, Gesundheitsfürsorge und Aufenthaltsbestimmung sowie das Regeln des Schriftverkehrs. Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht, tritt die Betreuungsvollmacht nicht sofort in Kraft. Hier entscheidet das Betreuungsgericht darüber, wer die Betreuung übernimmt.

Patientenverfügung: Eine Patientenverfügung ermöglicht es im Vorhinein festzulegen, welche Behandlungsweisen und Maßnahmen im Falle eines schweren Unfalls oder einer schweren Erkrankung getroffen werden sollen. Die Patientenverfügung ist insbesondere für den Fall vorgesehen, wenn die pflegebedürftige Person nicht mehr ansprechbar ist oder aus anderen Gründen nicht in der Lage ist, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Auch über das Abschalten von lebenserhaltenden Maßnahmen kann in einer Patientenverfügung entschieden werden.

7. Routine finden:

Haben Sie sich um die oben genannten Punkte gekümmert, ist das Wichtigste erst einmal geschafft. Jetzt kommt es darauf an eine Routine zu finden, mit der Sie, die pflegebedürftige Person und alle anderen Beteiligten gut zurechtkommen. Natürlich ist dies bei der privaten Pflege im eigenen Zuhause von noch viel größerer Bedeutung, als es bei einer stationären Pflege der Fall ist. Dennoch ist es wichtig, dass alle Beteiligten die neue Situation verstehen, akzeptieren und als neuen Alltag begreifen – egal auf welche Pflegeform die Wahl gefallen ist. Es wird nicht mehr so sein wie zuvor, aber die Situation ist dennoch schaffbar. Insbesondere dann, wenn alle an einem Strang ziehen!

Wir wünschen viel Erfolg.


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