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Kalkschulter

Blaues Männchen mit starken Schulterschmerzen.

Schulterschmerzen beim Anziehen, Schmerzen beim Wäsche aufhängen, Schmerzen beim Schlafen – Befinden sich die Schmerzen an der äußeren vorderen Schulter, lautet die Diagnose in vielen Fällen „Kalkschulter“. Sie zeigt sich mit vielen Gesichtern. Für Betroffene ist die Bewältigung des Alltags bereits mit großen Anstrengungen verbunden.

Die Kalkschulter oder im medizinischen Sprachgebrauch auch Tendinosis Calcarea (Tendinosis: Sehnendegenration und Calcarea: verkalkte) ist, wie der Name bereits sagt, ein Kalkdepot. Dabei lagern sich Kalziumsalze, Kalk, im Ansatzbereich oder in den Sehnen der Rotatorenmanschette ab. Die Rotatorenmanschette, ein Muskelgeflecht, hält den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne. Alle Sehnen können davon betroffen sein. In 90% der Fälle findet sich die Kalkablagerung jedoch in der Supraspinalsehne. Da eine Kalkschulter zu den periartikulären Schultererkrankungen zählt, können auch weitere Bereiche wie Gelenkkapsel, Schleimbeutel und Muskeln betroffen sein. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Vor allem entsteht die Kalkschulter beim Umbau von Sehnengewebe. Eine Minderdurchblutung der Rotatorenmanschette kann ebenfalls eine Ursache sein. Starke Belastungen der Schulter oder frühere Verletzungen scheinen keinen Einfluss auf den Ausbruch der Krankheit zu haben.

Jeder Zehnte hat Kalkablagerungen in einer der Sehnen der Schulter. In bis zu 40% der Fälle findet man ein Kalkdepot in beiden Seiten der Schulter. In etwa die Hälfte der Betroffenen hat im Laufe des Lebens deswegen Schulterschmerzen. Am häufigsten tritt die Erkrankung zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. Eine Kalkschulter tritt in 60% der Fälle wahrscheinlicher bei Frauen auf als bei Männern.


Kalkschulter: Symptome und Varianten

Bei einer verkalkten Schulter treten unterschiedliche Symptome auf, die sich in Schmerzen in der Schulter äußern. Die Beschwerden weichen je nach Stadium der Krankheit, nach Lage und nach Größe des Kalkdepots voneinander ab. Insbesondere zu Beginn der Erkrankung treten keine oder nur leichte Schmerzen auf. Erst im Verlauf haben Patienten mit starken Schmerzen zu kämpfen, die durch Entzündungen entstehen. Es kann zu Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite kommen. Dies tritt typischerweise nachts auf. Auch plötzlicher Schulterschmerz in einer Ruheposition sowie Schmerzen, die bei Bewegung stärker werden, deuten auf einen Kalkschulter hin. Weitere Schmerzsymptome sind Belastungsschmerz, Schmerzen nach Überkopfarbeit und in manchen Fällen eine Bewegungsunfähigkeit des Armes, eine sogenannte Pseudoparalyse. In späteren Stadien der Krankheit kann es zu Entzündungen des Schleimbeutels kommen. Massive Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind deutliche Anzeichen hierfür.

Eine Kalkschulter entwickelt sich in verschiedene Stadien. Bei einem typischen Krankheitsverlauf lassen sich vier Phasen voneinander unterscheiden.

Phase 1: Zellumwandlung

In dieser Phase baut sich das Sehnengewebe zu Faserknorpel um. Dabei empfinden Betroffene in der Regel keine Schmerzen. Eine Diagnose per Ultraschall oder Röntgenstrahlen ist noch nicht möglich, da noch nichts sichtbar ist.

Phase 2: Verkalkung

Die zweite Phase ist geprägt von der tatsächlichen Verkalkung. In dem sich der Kalk, das Carbonat-Apatit ablagert und das Knorpelgewebe teilweise abstirbt. Nun empfindet der Erkrankte Schmerzen, beispielsweise beim Heben des Armes. Ab diesem Stadium ist es möglich die Kalkablagerung per Ultraschall oder Röntgenuntersuchung sichtbar zu machen. Die Verkalkung kann sich über mehrere Jahre hinziehen.

Phase 3: Resorption

Kennzeichnend für diese Phase ist die Resorption, also die Auflösung des Kalks vom Körper. Starke Schmerzen begleiten die Auflösung. Kalkherde können sich in den Schleimbeutel des Schulterdachs, der Bursa subacromialis, ausdehnen und so eine Entzündung hervorrufen. Im Röntgenbild ist das Kalkdepot weiterhin sichtbar, verliert jedoch an scharfen Kanten und wirkt zunehmend aufgelockert.

Phase 4: Reparatur

In der vierten und letzten Phase, der Reparatur, löst sich der Kalk auf und ein Umbau zu normalem Sehnengewebe findet statt. Betroffene verspüren teilweise noch Schmerzen. Das Kalkdepot verschwindet zunehmend und ist nicht mehr sichtbar.

Die einzelnen Stadien der Krankheit können mehrfach auftreten, voneinander getrennt auftreten und unterschiedlich lang andauern. Insbesondere wenn mehr als ein Kalkdepot vorliegt, mehren sich die Schmerzen allein schon durch das vergrößerte Volumen. Eine Kalkschulter unterscheidet sich bei jedem Patienten, da der aufgezeigte Zyklus nicht von allen durchlaufen wird. Es besteht die Möglichkeit, dass sie in jedem Stadium ins Stocken gerät.

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