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Chronische Wunden
Zwei Pflaster

Akute und chronische Wunden

Die meisten Verletzungen, die wir im Alltag erleiden, heilen schnell und verschwinden dann entweder rückstandslos, oder es bleibt eine Narbe zurück. In einigen Fällen kann es jedoch dazu kommen, dass sich eine Wunde nicht von selbst schließen kann. Bleibt eine Wunde länger als acht Wochen offen und zeigt keine Anzeichen von Wundheilung, wird in Fachkreisen von einer chronischen Wunde gesprochen. Im Jahr 2012 gab es in Deutschland schätzungsweise 2,7 Millionen Menschen, die unter chronischen Wunden litten.


Chronische Wunden sind in der Regel Begleiterscheinungen und treten aus diesem Grund selten ohne ein Ursprungsleiden auf. Zudem verursachen diese in der Regel Schmerzen und können bei unzureichender Behandlung sehr gefährlich werden. Aus diesem Grund beeinträchtigen chronische Wunden den Alltag der Betroffenen stark.

Autor: Prof. Dr. Martin Przewloka

Zuletzt bearbeitet am 5/6/2021 von: Jan Götz (Redakteur)

Inhaltsverzeichnis
  • Symptome und Varianten
  • Pflege und Behandlung
  • Besonderheiten
  • Dokumente
  • FAQ
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Symptome und Varianten

Varianten und Ursachen von chronischen Wunden und nicht heilenden Wunden

Pflaster am Arm für chronische Wunden

Chronische Wunden sind in vielen Fällen offene Wunden, die das Symptom eines anderen Leidenswie z.B. einer unzureichenden Durchblutung – sind. So ist die gängigste Ursache von chronischen Wunden ein „offenes Bein“, bzw. ein Geschwür im Oberschenkel- und Fußbereich (lat.: Ulcus cruris). Bei einem „Ulcus cruris“ findet sich ein Substanzdefekt im Bereich des Unterschenkels vor, der bis in die Lederhaut geht. Ursache hierfür ist oft ein hoher Blutdruck in den Venen. Aufgrund der Tatsache, dass die Wunde über einen sehr langen Zeitraum offen liegt, ist sie ein Nährboden für Bakterien, die eine zweite Symptomatik auslösen können. Außerdem führt die schlechte bis fehlende Durchblutung der betroffenen Region dazu, dass sich das Gewebe verfärbt und entzünden kann, bzw. abstirbt. Dies kann im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung (Sepsis)  führen und lebensgefährlich sein.

Eine weitere Ursache für chronische Wunden kann ein Dekubitus sein. Ein Dekubitus ist ein Druckgeschwür, welches durch anhaltenden mechanischen Druck entsteht und so die Venen abklemmt, was die Durchblutung verhindert und in schweren Fällen zu einer Nekrose (dem Absterben von Zellen) der betroffenen Region führen kann. Ein Dekubitus findet sich häufig bei Menschen und Personen mit Bewegungsmangel (z.B. langem Liegen im Bett).

Ebenso Ursachen für chronische Wunden sind der „diabetische Fuß“ (als Folge von Diabetes mellitus), sowie Venenschwäche und Venenverengung, ein schwaches Immunsystem oder eine schwere Grundverletzung, die die Grenzen des körpereigenen Heilungssystems überschreitet.

Chronische Wunden entwickeln sich in den meisten Fällen in der Beinregion, daher beeinträchtigen sie die Bewegungsfreiheit und können unter anderem zu Müdigkeit und Lustlosigkeit führen. Ebenso leiden Patienten mit chronischen Wunden aufgrund der Schmerzen und der stark juckenden Wunden häufig an Schlaflosigkeit, was zu starken psychischen Belastungen führen kann.

Pflege und Behandlung

Behandlung von nicht heilenden Wunden und chronischen Wunden

Ein roter Arztkoffer für chronische Wunden

Bei chronischen Wunden gilt es zu beachten, dass sie in der Regel ein Folgesymptom einer anderen Krankheit oder eines anderen Grundleidens sind. Daher ist es wichtig, dieses zu erkennen und ebenfalls zu behandeln.

Bei Venenschwäche und Krampfadern empfehlen Fachleuten eine Kompressionstherapie, bei der mithilfe von Kompressionsstrümpfen oder elastischen Bändern und Druckverbänden, Druck auf die Venen ausgeübt wird. Dadurch werden die Venenklappen unterstützt und die Durchblutung erleichtert. In Fällen, bei denen die Venen zu eng sind, kann man sich von Ärzten ein Röhrchen (Stent) in das Gefäß einsetzen lassen, was ebenso bei der Durchblutung hilft. Alternativ lässt sich auch ein sogenannter Bypass legen, um Engstellen der Venen zu überbrücken.

Um einer chronischen Wunde vorzubeugen, bzw. eine bereits bestehende chronische Wunde zu heilen, gilt es in der Wundversorgung anzusetzen. Offene Wunden haben ein stark vergrößertes Entzündungsrisiko, daher werden häufig Antibiotika verwendet, um einen etwaigen Bakterienbefall zu stoppen. Zudem muss die Wunde regelmäßig gereinigt werden. Hierfür wird eine Kochsalz-Elektrolyt-Lösung verwendet. Sollte sich bereits Nekrose an der Wunde gebildet haben, muss ein „Débridement“, (deutsch: „Wundtoilette“) vorgenommen werden. Dabei wird während der Wundreinigung das abgestorbene und entzündete Gewebe mit einer Pinzette, bzw. Skalpell entfernt. Dies ist zumeist ein sehr schmerzhaftes Verfahren, weswegen häufig Salben zur Schmerzbehandlung verwendet werden. Sollte diese nicht genügen, können auch stärkere Medikamente verwendet werden, bis hin zur Narkose. Im weiteren Verlauf wird auf die Wunde eine feuchte Kompresse, bzw. Folie oder Hydrogel aufgelegt. Dies soll die Wunde feucht halten, überschüssige Flüssigkeit aufsaugen und vor Infektionen schützen.

In schweren Fällen, wenn die Wunde zu groß und tief ist und der Körper nicht in der Lage ist, die Verletzung allein zu schließen, muss es bei chronischen Wunden zu einer Hauttransplantation kommen. In besonders schweren Fällen ist die betroffene Region nicht mehr zu retten und es muss eine Amputation vorgenommen werden.

Die Behandlung von chronischen Wunden ist sehr zeitaufwendig und eine entsprechende Schmerztherapie sehr wichtig. Zudem kommt es bei chronischen Wunden häufig zu einer Geruchsentwicklung. Dies kann mitunter zu großem psychischem Stress führen. Aus diesem Grund wird von Fachärzten meist eine zusätzliche psychologische Betreuung empfohlen.

Besonderheiten

Besonderheiten von chronischen Wunden und nicht heilenden Wunden

Die Behandlungsansätze für chronische Wunden sind heutzutage sehr vielversprechend. Etwa zwei Drittel der behandelten Patienten können vollständig oder größtenteils geheilt werden.

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Dokumente

Dokumente - Chronische Wunden

Das Wichtigste auf einem Blick: Chronische Wunden.pdf

FAQ

Häufige Fragen zum Thema chronische Wunden und nicht heilenden Wunden und deren  Behandlung

Wann spricht man von chronischen Wunden?

Chronische Wunden sind Wunden, bei denen sich nach acht Wochen keine Anzeichen für den Selbstheilungsprozess des Körpers bemerkbar machen. Es sind in den meisten Fällen feuchte Verletzungen, die eine hohe Entzündungsgefahr haben und in denen sich das Gewebe verfärben kann.

Wie entstehen chronische Wunden?

Chronische Wunden sind in der Regel die Folge einer anderen Erkrankung. Sie tauchen häufig dann auf, wenn eine Wundregion unzureichend durchblutet wird, z.B. als Folge eines Ulcus cruris oder eines Dekubitus. Auch wenn der Körper aufgrund von Bakterienbefall nicht in der Lage ist, die Wundheilung allein durchzuführen.

Wie viele Menschen leiden an chronischen Wunden?

Etwa 2,7 Millionen Menschen leiden an chronischen Wunden. In den meisten Fällen lassen sich durch moderne Behandlungsmethoden die Wunden im Frühstadium heilen.

Sind chronische Wunden behandelbar?

Ja, chronische Wunden sind behandelbar, indem man das Ursprungsleiden behandelt und die Wunde durch regelmäßige und fachgerechte Reinigung, sowie einen gut gelegten Verband versorgt.

Kann man chronische Wunden vorbeugen?

Chronische Wunden lassen sich zu einem gewissen Grad vorbeugen. Studien haben festgestellt, dass neben Diabetes und einer genetischen Disposition auch das Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, hohes Cholesterin sowie mangelnde Bewegung zur Förderung der Entstehung von chronischen Wunden beitragen. Durch das Vermeiden dieser Risikofaktoren kann einer chronischen Wunde (zumindest indirekt) vorgebeugt werden.


Prof. Dr. Martin Przewloka PortraitProf. Dr. Martin Przewloka
Über den Autor:

Prof. Dr. Martin Przewloka hat im eigenen familiären Umfeld umfangreiche Erfahrungen mit dem Thema Pflege gesammelt und teilt sein Wissen über verschiedene Kanäle mit anderen pflegenden Angehörigen. Durch seinen Universitätsabschluss in Medizinischer Physik (Universität Kaiserslautern) versteht er zudem die gesundheitlichen Hintergründe der unterschiedlichen Erkrankungen und kann sich in die Lage der Pflegebedürftigen hineinversetzen.