Pflegegeld
Grüne Scheine in einem gelben Umschlag

Pflegegeld, Pflegesachleistung und Kombinationsleistung

Pflegegeld, Pflegesachleistungen und Zusatzleistungen sind Begriffe mit denen früher oder später jeder konfrontiert wird. Doch bevor man Anspruch auf diese Pflegeleistungen der Pflegekasse erhält, wird ein anerkannter Pflegegrad benötigt. Dieser muss erst bei der Pflegekasse beantragt und genehmigt werden. Wem bereits ein Pflegegrad durch die Pflegekasse zugewiesen wurde, der hat auch Anspruch auf Pflegeleistungen. Diesen Anspruch haben heute weitaus mehr Menschen als noch zu Zeiten der Pflegestufen, denn „mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wächst die Zahl der Versicherten, die Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben, da die Unterstützung deutlich früher ansetzt. In den Pflegegrad 1 werden erstmals Menschen eingestuft, die noch keine erheblichen Beeinträchtigungen haben (…).“ (Quelle).


Grundsätzlich wird zwischen Pflegegeld oder Pflegesachleistungen unterschieden. Das Pflegegeld wird an die Pflegebedürftigen gezahlt, die Ihre Pflege selbstständig sicherstellen – etwa wenn Angehörige die Pflege übernehmen. Pflegebedürftigen steht es frei, das Geld an ihre pflegenden Angehörigen auszuzahlen. Mit den Pflegesachleistungen werden ambulante Dienstleister oder stationäre Einrichtungen bezahlt. Sind Sie auf der Suche nach einem solchen Anbieter, kontaktieren Sie gerne unser kostenloses Service-Telefon (0800 122 273 0). Wir helfen Ihnen gerne, einen passenden Anbieter in Ihrer Umgebung zu finden, der freie Kapazitäten hat. Dieses Angebot ist für Sie komplett kostenfrei und wird durch Beiträge der Pflegeanbieter finanziert.

Sessel und Stehlampe


Zusatzleistungen wie wohnumfeldverbessernde Maßnahmen können bei vorhandenem Pflegegrad ebenfalls in Anspruch genommen werden. Die Leistungen zum alten- und behindertengerechten Umbau der eigenen vier Wände wurden im Rahmen des Pflegestärkungsgesetztes stark angehoben. Wie das Bundesgesundheitsministerium bekannt gab, haben auch Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 vollen Anspruch. So können bis zu 4.000€ für den Bau eines Treppenlifts oder anderer Alltagshilfen in Anspruch genommen werden. Auch beim Thema Treppenlift oder Umbau können wir Sie gerne über unser Service-Telefon 0800 122 273 0 beraten.


Doch nicht nur der Umbau des eigenen Zuhauses wird unterstützt. Zusatzleistungen gibt es viele. So zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 2 bis 5 beispielsweise bis zu 1.612€ pro Kalenderjahr für Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege. Auch Wohngruppen können von Zusatzleistungen profitieren. Die Pflegekasse zahlt bei Wohnprojekten (z.B. Senioren-WGs) eine Anschubfinanzierung von bis zu 10.000€ für die gesamte Wohngemeinschaft. Zusätzlich erhalten Bewohnerinnen und Bewohner von Wohngruppen-Projekten, bei denen ambulant gepflegt wird, Zusatzleistungen in Form eines Wohnzuschlags von bis zu 214€ im Monat (Quelle). Auch ein Entlastungsbetrag von bis zu 125€ wird bei einer vorhandenen Pflegestufe monatlich gezahlt. Dieser ist allerdings zweckgebunden und kann beispielsweise für Tagespflege oder Beratungsgespräche genutzt werden. Dieser Entlastungsbetrag wird mit dem Pflegegeld oder den Pflegesachleistungen nicht verrechnet, ist also eine unabhängige Zusatzleistung. Monatlich können außerdem bis zu 40€ für die Versorgung mit bestimmten Pflegehilfsmitteln eingeplant werden. Diese Pflegehilfsmittel gibt es zum Beispiel in Form einer praktischen Hilfsmittelbox, deren Wert von 40€ direkt mit der Pflegekasse abgerechnet wird.

Autor: Prof. Dr. Martin Przewloka

Zuletzt bearbeitet am 5/6/2021 von: Jan Götz (Redakteur)

Inhaltsverzeichnis
  • Zielgruppen und Varianten
  • Beantragung
  • Leistungen
  • Besonderheiten
  • Dokumente
  • FAQ
Zielgruppen und Varianten

Wer hat Anspruch auf Pflegegeld, Pflegesachleistungen und Zusatzleistungen?

Älteres Ehepaar

Pflegebedürftige Personen haben prinzipiell Anspruch auf Pflegegeld und sollten dieses auf jeden Fall bei der Pflegekasse beantragen. Besonders wenn die pflegebedürftige Person einen Pflegegrad von 2 oder höher hat, zahlt die Pflegekasse viel Geld für die private, ambulante Pflege.


Als Faustregel gilt: Muss einer Person im Alltag geholfen werden, weil sie diesen nicht mehr eigenständig bewältigen kann, dann ist eine Pflegebedürftigkeit vorhanden. Demnach wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Pflegegrad bewilligt.


Pflegesachleistungen werden an Pflegedienstleister oder stationäre Einrichtungen gezahlt. Besonders bei der ambulanten Pflege ist es wichtig, Angehörige zu entlasten. Hierfür sind ambulante Pflegedienstleister ideal geeignet, da diese zahlreiche Alltagsaufgaben übernehmen, die sonst von Angehörigen erledigt werden müssten. So können etwa Dienstleister für Mahlzeiten, Grundpflege oder alltagsstrukturierende Maßnahmen hinzugezogen werden. Aber auch (teil)stationäre Einrichtungen für Tages- und Nachtpflege können durch die Pflegesachleistungen bezahlt werden. Das ermöglicht den Angehörigen mehr Freizeit und Flexibilität. Bei der Suche nach einem geeigneten Anbieter sollten Sie darauf achten, dass dieser eine volle Pflegekassenzulassung besitzt, sodass dieser auch über die Pflegesachleistung bezahlt werden kann. Über unser kostenloses Service-Telefon (0800 122 273 0) helfen wir Ihnen gerne, einen passenden Anbieter zu finden. Dieses Angebot ist für Sie kostenfrei, da es durch Beiträge der Pflegedienstleister finanziert wird.


Achtung: Für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege werden jährlich jeweils bis zu 1.612€ zusätzlich zur Verfügung gestellt. So können für diesen Zeitraum zusätzliche Dienstleister hinzugezogen (Verhinderungspflege) oder stationäre Einrichtungen bezahlt werden (Kurzzeitpflege). Auch das Pflegegeld wird in diesem Zeitraum zu 50% weitergezahlt.

Beantragung

Pflegegeld beantragen

Dokument mit Häkchen auf Klemmbrett

Um Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen zu bekommen, ist ein Pflegegrad notwendig. Dieser muss zuerst bei der Pflegekasse beantragt und bewilligt werden, denn ohne Pflegegrad gibt es keine Pflegeleistungen. Um den Pflegegrad festzustellen, wird die pflegebedürftige Person von einem Gutachter des medizinischen Dienstes der Krankenversicherung besucht.


Sollte bereits ein Pflegegrad vorliegen, dann können Sie über 1ACare schnell und einfach stationäre Einrichtungen und ambulante Dienstleister finden und kontaktieren. Nutzen Sie dafür einfach unsere Dienstleister-Suche. Diese können dann je nach Pflegegrad direkt durch die Pflegesachleistungen bezahlt werden.


Pflegegeld kann (sobald ein Pflegegrad vorliegt) ganz formlos per Anruf oder E-Mail bei der Pflegekasse beantragt werden. Wichtig ist nur, dass die hierfür nötigen Bedingungen erfüllt sind: Es liegt ein Pflegegrad von mindestens 2 vor und die betroffene Person wird von einem Angehörigen ehrenamtlich ambulant gepflegt.

Leistungen

Geldleistung, Entlastungsbeitrag und mehr - Mit was kann ich rechnen?

Krankenschwester mit blauer Haube

Die jeweiligen Leistungen können anhand der folgenden Tabelle abgelesen werden. Die Informationen entstammen dem Bundesgesundheitsministerium. Geldleistungen (ambulant) beziehen sich auf Pflegegeld und Sachleistungen können genutzt werden, um ambulante Dienstleister zu bezahlen. Der Entlastungsbetrag wird unabhängig von anderen Leistungen erbracht und ist zweckgebunden (z.B. für Beratungsgespräche). Der Leistungsbetrag (vollstationär) stellt die Pflegesachleistungen für den Aufenthalt in einer stationären Einrichtung (z.B. Altersheim) oder einer teilstationären Pflege (z.B. Tages- und Nachtpflege) dar.

Pflegegrad Leistungen

Zusätzlich können wohnumfeldverbessernde Maßnahmen in Anspruch genommen werden. Mit diesen können Wohnungen barrierefrei und altengerecht umgebaut werden (z.B. Treppenlift):

Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

Hilfsmittelbox Angebot von 1ACare
Auch können für Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege zusätzliche Zuschüsse beantragt werden. Pro Jahr besteht Anspruch auf acht Wochen Kurzzeit- sowie sechs Wochen Verhinderungspflege. Die Leistungen können auch kombiniert werden.
Zuschüsse für Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Besonderheiten

Pflegegeld und Pflegesachleistungen - Die Kombinationsleistung

Zwei Zahnräder, die ineinander greifen

Pflegegeld und Pflegesachleistungen können auch als Kombinationsleistungen genutzt werden. Werden sowohl Pflegegeld als auch Pflegesachleistungen in Anspruch genommen (Kombinationsleistungen), verringert sich jedoch der Betrag des ausgezahlten Pflegegeldes. Hier gilt: Der Anspruch auf Pflegegeld verringert sich um den Prozentsatz der genutzten Pflegesachleistungen.


Ein Beispiel für Kombinationsleistungen:

Ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 3 erhält entweder 545€ Pflegegeld oder 1.298€ Pflegesachleistungen.

Nutzt er nur einen Teil des vorgesehenen Budgets der Pflegesachleistungen (z.B. 60%, also 778,80€), dann verringert sich das ausgezahlte Pflegegeld um diese 60%. Es werden demnach nur noch 40% des Pflegegeldes gezahlt (also 218€).

Dokumente

Pflegegeld und Pflegesachleistungen - Dokumente

Das Wichtigste auf einem Blick: Pflegegeld, Pflegesachleistungen & Zusatzleistungen.pdf

FAQ

Häufig gestellte Fragen zu Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Habe Ich Anspruch auf Pflegeleistungen?

Wer einen Pflegegrad hat, hat auch Anspruch auf Pflegeleistungen. Ab Pflegegrad 2 erhöhen sich die Leistungen stark. Dann wird auch Pflegegeld gezahlt und es besteht ein Anspruch auf höhere Pflegesachleistungen.

Worin liegen die Unterschiede zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistungen?

Pflegegeld wird an die pflegebedürftige Person gezahlt. Pflegesachleistungen können genutzt werden, um beispielsweise ambulante Dienstleister zu bezahlen. Eine Kombination aus beiden Varianten ist auch möglich, jedoch verringert sich dann der Anspruch beider Leistungen. Ein Rechenbeispiel:

Ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 3 erhält entweder 545€ Pflegegeld oder 1.298€ Pflegesachleistungen. Nutzt er nur einen Teil des vorgesehenen Budgets der Pflegesachleistungen (z.B. 60%, also 778,80€), dann verringert sich das ausgezahlte Pflegegeld um diese 60%. Es werden demnach nur noch 40% des Pflegegeldes gezahlt (also 218€).

Muss Pflegegeld versteuert werden?

Pflegegeld muss unter bestimmten Voraussetzungen versteuert werden. Pflegebedürftige, Verwandte von Pflegebedürftigen sowie Menschen, die eine enge Beziehung mit dem Bedürftigen haben, müssen keine Steuern bezahlen. Alle anderen, beispielsweise Personen, die die Pflege erwerbsmäßig betreiben, müssen Steuern entrichten.

Gibt es Sozialleistungen für pflegende Angehörige?

Ja, pflegende Personen, die ein verwandtschaftliches oder anderes enges Verhältnis mit dem Pflegebedürftigen haben, haben Anspruch auf Sozialleistungen wie Beitragszahlungen zur Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung.

Gibt es eine Rentenkürzung bei Pflegebedürftigkeit?

Nein, die Rente wird nicht gekürzt.

Kann einem festgestelltem Pflegegrad widersprochen werden?

Ja, ein Widerspruch ist möglich und in vielen Fällen sogar ratsam, wenn der Punkteabstand zum nächsthöheren Pflegegrad gering ist. Ein großer Teil der Widersprüche ist erfolgreich.

Wer kann einen Pflegegrad beantragen?

Nur der Pflegebedürftige selbst kann einen Pflegegrad mit seiner Unterschrift beantragen. Ist dieser nicht mehr dazu in der Lage, kann ersatzweise der gesetzliche Vertreter den Antrag stellen.

Kann man rückwirkend einen Pflegegrad beantragen?

Nein, das ist leider nicht möglich. Ein festgestellter Pflegegrad gilt rückwirkend zum ersten Tag der Kontaktaufnahme mit der Pflegekasse, jedoch nicht darüber hinaus.

Ist es sinnvoll, professionelle Hilfe zur Beantragung eines Pflegegrades heranzuziehen?

Dies ist nicht zwingend notwendig, kann jedoch sinnvoll sein. Wenn der Pflegebedürftige im Krankenhaus oder in der Reha ist, gibt es zudem die Möglichkeit, einen Antrag über den lokalen Sozialdienst zu stellen.

Wann wird der Pflegegrad erhöht?

Sobald sich der Zustand des Pflegebedürftigen wahrnehmbar ändert, sollte die Erhöhung des Pflegegrades beantragt werden. Im Falle eines positiven Bescheids erhöhen sich die Leistungen der Pflegekasse.


Prof. Dr. Martin Przewloka PortraitProf. Dr. Martin Przewloka
Über den Autor:

Prof. Dr. Martin Przewloka hat im eigenen familiären Umfeld umfangreiche Erfahrungen mit dem Thema Pflege gesammelt und teilt sein Wissen über verschiedene Kanäle mit anderen pflegenden Angehörigen. Durch seinen Universitätsabschluss in Medizinischer Physik (Universität Kaiserslautern) versteht er zudem die gesundheitlichen Hintergründe der unterschiedlichen Erkrankungen und kann sich in die Lage der Pflegebedürftigen hineinversetzen.