Grundpflege
Grundpflege
Ein Stück Seife mit Bläschen.

Grundpflege versus Behandlungspflege – Die Pflege im Alltag

Im Laufe des Lebens können Personen an den Punkt gelangen, an dem Hilfestellungen im Alltag notwendig werden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nach einem Unfall kann es beispielsweise passieren, dass man kurzfristig für einen bestimmten Zeitraum oder für immer pflegbedürftig wird. Auch im Alter steigt das Risiko der Pflegebedürftigkeit, denn mit steigendem Alter nimmt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ab.

Die Grundpflege bezeichnet alle regelmäßig wiederkehrenden Pflegemaßnahmen, wie zum Beispiel Körperpflege und Ernährung. Damit werden die Grundbedürfnisse abgedeckt, die im Alltag auftauchen können. Personen, die sich nicht mehr selbstständig im Alltag zurechtfinden, können die Grundpflege in Anspruch nehmen. Sie ist eine Leistung der Pflegeversicherung und kann sowohl von pflegenden Angehörigen als auch von einem ambulanten Dienst durchgeführt werden. Nicht nur pflegebedürftige Senioren, auch Menschen mit Behinderungen oder anderen Einschränkungen können Grundpflege beantragen.

Es handelt sich bei der Grundpflege meist um pflegerische Hilfestellungen. Gemeinsam mit der Behandlungspflege (medizinische Pflegeleistungen) und der hauswirtschaftlichen Versorgung (wie Einkaufen, Kochen oder Putzen), zählt die Grundpflege zu der häuslichen Krankenpflege. Bei der Grundpflege handelt es sich um die Bereiche der Körperpflege, der Ernährung und der Mobilität (Quelle). Prophylaktische Maßnahmen sowie die Förderung von Selbstständigkeit und Kommunikation zählen zu den grundlegenden Bedürfnissen und werden somit auch von der Grundpflege abgedeckt.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
  • Gesetzliche Grundlagen
  • Was dazu gehört
  • Varianten
  • Kosten
  • Dokumente
  • FAQ
Gesetzliche Grundlagen

Grundpflege - Gesetzliche Grundlagen

Schwarz-weiße Waagschale als Symbol für das Gesetz

Gesetzlich geregelt wird die Grundpflege entweder nach dem Sozialgesetzbuch Fünf (SGB V) oder nach dem Sozialgesetzbuch Elf (SGB XI). 

  • Wenn die Grundpflege nach dem SGB V geregelt wird, handelt es sich um eine Verordnung vom Arzt, die man auf Rezept erhält. Damit ist es eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung im Rahmen der häuslichen Krankenpflege.
  • Wenn die Grundpflege nach dem SGB XI geregelt wird, ist es eine Leistung der Pflegeversicherung. Bei einer Beurteilung der Pflegebedürftigkeit, in der eine Einteilung in die fünf Pflegegrade vorgenommen wird, kommt dem Aufwand für die Grundpflege eine tragende Rolle zu. Anspruch auf Grundpflege haben Personen mit einem anerkannten Pflegegrad. Die Kosten werden dann von der Pflegeversicherung getragen. Bis Ende 2016 war der Zeitaufwand der einzelnen Tätigkeiten in der Grundpflege von entscheidender Bedeutung, um der geeigneten Pflegestufe zugeteilt zu werden. Mit Einführung der Pflegegrade 2017 ist diese Form der Berechnung anhand der aufgewendeten Zeit verschwunden. Nun gibt es sechs Bereiche, mit deren Hilfe die Pflegebedürftigkeit festgestellt und die zu pflegende Person in den passenden Pflegegrad eingeteilt wird. Damit liegen alle Bedürfnisse des Pflegebedürftigen im Blickfeld.

Die einzelnen grundpflegerischen Maßnahmen finden sich in folgenden Bereichen der Einteilung wieder:

Bereich 1 – Mobilität

Bereich 4 – Selbstversorgung

Bereich 5 – Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Bereich 6 – Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Was dazu gehört

Grundpflege – Körperpflege, Ernährung, Mobilität, Kommunikation und Prophylaxe

Die Grundpflege kann als Form der aktivierenden Pflege verstanden werden, was Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet. Hierbei wird der Pflegebedürftige lediglich bei der eigenen Pflege unterstützt. So wird beispielsweise für das Zähneputzen alles hergerichtet, so dass sich der Pflegebedürftige selbst die Zähne putzen kann. Dadurch soll die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen gewahrt oder wiedererlangt werden. Aus diesem Grund sind in der Grundpflege meist pflegerische Hilfen enthalten, bei der der pflegende Angehörige die pflegebedürftige Person beaufsichtigt, anleitet und eventuell unterstützt. Es soll dabei keine vollständige Übernahme stattfinden. Das ist jedoch nicht in allen Fällen möglich, so dass Aktivitäten, die nicht mehr ohne Hilfe durchgeführt werden können, auch vollständig vom Pflegenden übernommen werden.

Bereich der Körperpflege

Körperpflege-Produkte und ein Handtuch

Zu diesem Bereich zählen jegliche Maßnahmen, die die Körperhygiene betreffen. Es wird zudem zwischen kleiner und großer Grundpflege unterschieden. Der Unterschied zwischen beiden Varianten ist der Aufwand, welcher bei der großen Grundpflege deutlich höher ausfällt als bei der kleinen Grundpflege. Beispielsweise werden bei der kleinen Grundpflege nur Teilbereiche des Körpers gewaschen, während bei der großen Grundpflege der gesamte Körper gewaschen wird. Inwiefern sich kleine und große Grundpflege unterscheiden ist jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und von der individuellen Person abhängig.

Konkret erhalten Pflegebedürftige:

  • Hilfe beim Waschen, Duschen, Baden
  • Hilfe beim Zähneputzen, dem Frisieren oder Rasieren
  • Hilfe bei der Haut- und Nagelpflege
  • Hilfe beim Gang zur Toilette, der Anwendung von Inkontinenzprodukten, der Beseitigung von Urin und Stuhl sowie dem Toilettentraining

Bereich der Ernährung

Apfel, Erdbeere und Banane

Der Bereich Ernährung betrifft vor allem die Aufnahme von Nahrung. Das Einkaufen von Lebensmitteln und deren Zubereitung fallen nicht in den Bereich der Grundpflege. Diese gehören vielmehr in den Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung. Mit dem Begriff der Ernährung ist in der Grundpflege ganz konkret der Vorgang der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme gemeint. Wenn es dem Pflegebedürftigen nicht mehr möglich ist, herkömmlich über den Mund Nahrung und Flüssigkeit aufzunehmen, so fällt beispielsweise auch die Ernährung über eine Magensonde in diesen Aufgabenbereich.

Konkret erhalten Pflegebedürftige:

  • Hilfe bei der mundgerechten Zubereitung der Nahrung
  • Hilfe bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme

Bereich der Mobilität

Ein Mensch läuft in schwarz-weißen Sneakern

Der Bereich Mobilität umfasst neben Hilfen beim Ortswechsel auch Hilfen bei körperlichen Betätigungen wie dem Gehen oder Aufstehen. Dabei ist zu beachten, dass hierunter die Mobilität der Person selbst gemeint ist. Das Erledigen von Einkäufen beispielsweise zählt wieder in den Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Konkret erhalten Pflegebedürftige:

  • Hilfe beim Aufstehen und Zu-Bett-Gehen
  • Hilfe beim An- und Ausziehen der Kleidung
  • Hilfe beim Gehen, Stehen, Umsetzen, Hinsetzen und Treppensteigen
  • Hilfe beim tatsächlichen Ortswechsel, sprich dem Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung oder Pflegeeinrichtung, Arztbesuchen oder ähnlichem

Frau mit Sprechblase

Förderung von Selbstständigkeit und Kommunikation

Unter diesen Bereich fallen nicht-medizinische Pflegetätigkeiten im Bereich der Aktivitäten des täglichen Lebens. Die Förderung zur Selbstständigkeit betrifft vor allem die mentalen Leistungen. Hierfür werden Gedächtnisaufgaben gemacht. Zudem wird geübt, den Alltag wieder selbständig zu bewältigen. Dabei wird zum Beispiel trainiert, einkaufen zu gehen oder das Essen zuzubereiten. Der Bereich Kommunikation umfasst zudem die Erlangung und Erhaltung sozialer Kontakte.

Prophylaktische Maßnahmen

Eine Person hält ein Herz in den Händen

Damit sich die Grunderkrankung nicht noch verschlechtert oder weitere Erkrankungen hinzukommen, müssen vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. Vor allem bettlägerige und mobil eingeschränkte Personen benötigen vorbeugende Prophylaxe-Maßnahmen gegen viele Beschwerden und Krankheiten. Diese Prophylaxe-Maßnahmen werden auch als Teil der Grundpflege betrachtet.

Besonders bettlägerige Personen sind vom Wundliegen, auch als Dekubitus bekannt, bedroht. Um ein Wundliegen zu verhindern, wird die Haut des Patienten an gefährdeten Stellen besonders gepflegt und häufige Körperstellungswechsel vorgenommen. Das Umlagern des Patienten beugt zusätzlich Muskelverkürzungen und Thrombose vor. Hierbei werden auch Rollen, Keile oder Fußstützen zur Hilfe genommen.

Zur Vorbeugung von Lungenentzündungen können Übungen der Atemgymnastik angewendet werden. Hierbei werden unter anderem Luftballons aufgeblasen und in Trinkhalme gepustet. Außerdem wird für gute Atembedingungen gesorgt, beispielsweise durch Befeuchtung der Atemluft, Auslüftung des Raumes oder Absaugen von Sekreten in der Lunge. Auch Joggen und andere Formen der Bewegung können zur Prophylaxe gegen Lungenentzündungen genutzt werden.

Durch Schwitzen, Reibung oder Inkontinenz kann so die genannte Intertrigo entstehen – dies sind wunde, juckende und nässende Stellen in den Hautfalten. Um dies zu vermeiden, gilt es die Haut trocken zu halten und mit luftdurchlässiger Kleidung für eine ausreichende Belüftung der Haut zu sorgen. Auch regelmäßiges Waschen zählt hierzu.

Verstopfung und Austrocknung des Körpers ist ebenso vorzubeugen. Geeignete Maßnahmen sind hier eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und, im Falle der Verstopfung, eine ausgewogene Ernährung. Im Rahmen der Grundpflege wird beispielsweise die Zufuhr von Flüssigkeit kontrolliert, der Pflegebedürftige zum Trinken animiert und unterstützt, sowie ein geeignetes Trinkgefäß bereitgestellt.

Grundpflege im Bett

Die Grundpflege im Bett ist eine besondere Form der Grundpflege, da alle pflegerischen Tätigkeiten im Bett ausgeführt werden müssen. So müssen bei bettlägerigen Personen auch Verrichtungen wie der Stuhlgang oder das Waschen im Bett vorgenommen werden.

Varianten

Grundpflege – vollstationär, teilstationär oder ambulant

Symbol von einem Krankenhaus

Bei der vollstationären Grundpflege handelt es sich um die Pflege in einer Pflegeeinrichtung, wie beispielsweise einem Seniorenheim oder einer Einrichtung des betreuten Wohnens. Stationäre Pflege wird dann genutzt, wenn kein Angehöriger die Grundpflege übernehmen kann, die häusliche Wohnsituation der zu pflegenden Person eine ambulante Versorgung nicht zulässt oder wenn aus anderen Gründen eine professionelle Pflegekraft/Pflegeeinrichtung benötigt wird.

Die teilstationäre Pflege kombiniert häusliche (ambulante) und stationäre Pflege. Hierbei wohnt die zu pflegende Person noch zu Hause, wird aber tagsüber oder nachts in einer Pflegeeinrichtung untergebracht. Die teilstationäre Grundpflege entlastet die Angehörigen und erleichtert deren Alltag – insbesondere dann, wenn diese berufstätig sind.

Bei der ambulanten Grundpflege handelt es sich um Pflege im eigenen Haus des Pflegebedürftigen. Ambulante Grundpflege ist die häufigste Pflegeform. Die ambulante Pflege kann entweder durch Familienmitglieder oder durch eine professionelle Pflegekraft durchgeführt werden, welche die zu pflegende Person zu Hause versorgt.

Gerne helfen wir Ihnen bei der Suche nach einem passenden ambulanten Dienst in Ihrer Nähe weiter. Über unsere kostenlose Service-Hotline 0800 / 12 227 30 – können Sie uns kontaktieren. Es entstehen keine Kosten für Sie, da wir über Beiträge von Pflegedienstleistern und Sanitätshäusern finanziert werden.

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Kosten

Grundpflege – Kosten mit und ohne Pflegegrad

Blaues Schild mit weißem Kreuz in der Mitte

In der Regel kommt die Pflegekasse für die Kosten der ambulanten Grundpflege auf. Alternativ kann auch die Krankenkasse die Kosten der Grundpflege übernehmen, vorausgesetzt diese wurde von einem Arzt verordnet.

Personen, die ihre Pflege selbstständig sicherstellen, können so genanntes Pflegegeld bekommen. Die Sätze der Pflegeversicherung leiten sich vom Pflegegrad der pflegebedürftigen Person ab. Bei Pflegegrad 1 wird noch kein Pflegegeld bezahlt, bei höheren Pflegegraden reichen die Leistungen von 316 € bis 901 € monatlich. Liegt noch kein Pflegegrad vor, kann dieser durch einen Anruf bei der Pflegekasse beantragt werden.

Pflegegeld je Pflegegrad

Bei stationärer Pflege leistet die Pflegeversicherung - anders als bei der häuslichen Pflege - meist nur eine Zuzahlung, wodurch große Kosten für den Pflegebedürftigen und dessen Angehörige entstehen können. Eine Übernahme dieser Kosten kann beispielsweise durch den Abschluss einer Pflegezusatzversicherung gesichert werden.

Dokumente

Dokumente zum Download - Grundpflege

Alles auf einem Blick: Grundpflege.pdf

Grundpflege - voraussichtlicher Zeitaufwand.pdf

FAQ

Die häufigsten Fragen zur Grundpflege

Was ist Grundpflege?

Die Grundpflege beinhaltet alltägliche Leistungen im Bereich der Körperpflege, der Ernährung und der Mobilität. Zu diesen Leistungen gehören beispielsweise die Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr, das Waschen, Duschen und Baden sowie die Hilfe bei Darm- und Blasenentleerung.

Wer kann Grundpflege in Anspruch nehmen?

Die Grundpflege kann in Anspruch genommen werden, wenn der Pflegebedürftige in einen Pflegegrad eingestuft wurde. Diese Einstufung kann durch einen Anruf bei der Kranken- bzw. Pflegekasse beantragt werden. Nicht nur Senioren können die Grundpflege in Anspruch nehmen, sondern auch jüngere Personen, die beispielsweise aufgrund einer Behinderung pflegebedürftig sind. Wenn keine Pflegebedürftigkeit im eigentlichen Sinne vorliegt, aber trotzdem beispielsweise aufgrund einer Operation Pflege benötigt wird, kann die Grundpflege auch von einem Arzt verordnet werden.

Was ist der Unterschied zwischen ambulanter und stationärer Pflege?

Bei der ambulanten Pflege wird der Pflegebedürftige im eigenen Zuhause versorgt, während bei der stationären Pflege die Versorgung in einer Pflegeeinrichtung stattfindet. Die stationäre Pflege ist vor allem dann sinnvoll, wenn professionelle Hilfe benötigt wird und die Pflege zuhause aus verschiedenen Gründen nicht mehr sinnvoll erscheint.

Hängen die Kosten der Grundpflege vom Zeitaufwand ab?

Bis zum 31.12.2016 gab es bestimmte Orientierungswerte für den Zeitaufwand sämtlicher Tätigkeiten der Grundpflege. Beispielsweise wurden zur Ganzkörperwäsche 20-25 Minuten und zur Zahnpflege 5 Minuten berechnet. Seit dem 1.1.2017 ist diese Regelung durch die Einführung der Pflegegrade komplett verschwunden. Der Zeitaufwand ist daher nun zur Ermittlung der Kosten der Grundpflege irrelevant.

Statt einer professionellen Kraft übernimmt ein Angehöriger die Grundpflege. Kann dieser für seine Hilfe Geld von der Pflegekasse bekommen? 

Ab dem Pflegegrad 2 können pflegebedürftige Personen Pflegegeld erhalten. Dieses können sie den pflegenden Angehörigen als Anerkennung für die erbrachten Pflegeleistungen weitergeben. Zwischen 316 und 901 Euro werden in Form von Pflegegeld gezahlt, wenn die Pflege selbstständig organisiert wird.