Inkontinenz
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Inkontinenz -  Symptome, Hilfen und Behandlung

Inkontinenz kann unterschiedlichste Ursachen haben. Betroffen sind häufig ältere Menschen, besonders bei Krankheiten oder nach Operationen. Auch eine Beckenbodenschwäche oder neurologische Erkrankungen können Auslöser einer Inkontinenz sein. In der Regel sind Betroffene peinlich berührt, wenn das Thema Blasenschwäche oder Stuhlinkontinenz angesprochen wird. Aus diesem Grund werden Ärzte viel zu selten mit einbezogen und die meisten Betroffenen versuchen stattdessen heimlich mit ihrer Erkrankung umzugehen. Zwar gibt es zahlreiche Hilfsmittel wie Inkontinenzbehälter, Einlagen oder Medikamente, die mitunter gute Ergebnisse erzielen können – jedoch sollte das Thema Inkontinenz prinzipiell nicht totgeschwiegen und möglichst frühzeitig mit einem Arzt besprochen werden.

Wenn Sie Unterstützung bei der Pflege von inkontinenten Angehörigen oder Bekannten benötigen, rufen Sie uns auf unserer kostenlosen Hotline unter 0800 122 273 0 an. Wir gehen für Sie auf die Suche nach einem passenden Pflegedienstleister. Für Sie entstehen dadurch keinerlei zusätzliche Kosten, da wir uns über Beiträge der Dienstleister finanzieren.

Deutschlandweit sind rund 8 Millionen Menschen von Formen der Inkontinenz betroffen - eine Zahl die angesichts des demografischen Wandels und einer immer weiter steigenden Lebenserwartung wohl in den kommenden Jahren weiter steigen dürfte. Um Inkontinenz vorzubeugen, hilft ein aktiver Lebensstil, Sport und eine gesunde Ernährung. Auch der Verzicht auf Zigaretten ist ratsam. Achtung: Je früher eine passende und effektive Behandlungsmöglichkeit für Inkontinenz gefunden wird, desto größer sind die langfristigen Erfolge. So können in der Regel die Beschwerden stark reduziert, wenn nicht sogar behoben werden.

Autor: Prof. Dr. Martin Przewloka

Zuletzt bearbeitet am 4/16/2021 von: Jan Götz (Redakteur)

Inhaltsverzeichnis
  • Symptome und Varianten
  • Pflege und Behandlung
  • Besonderheiten
  • Dokumente
  • FAQ
Symptome und Varianten

Inkontinenz - Wie erkenne ich, um welche Art es sich handelt?

Blau-türkiser Inkontinenz- Tropfen

Grundsätzlich wird Inkontinenz in Blaseninkontinenz (Blasenschwäche) und Stuhlinkontinenz unterschieden. Des Weiteren gibt es eine ursachenabhängige Einteilung. Die häufigsten Inkontinenzvarianten sind:

  • Dranginkontinenz: Bei der Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz) entsteht plötzlicher starker Harndrang. Dieser kann unterschiedliche Auslöser haben, wie z.B. die Einnahme von Medikamenten, Koffein oder Alkohol. Auch eine Querschnittslähmung oder ein Harnwegsinfekt können ebenso wie Blasensteine mögliche Auslöser sein.
  • Belastungsinkontinenz: Die Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) zeichnet sich durch plötzlichen Urinverlust bei Stress oder körperlicher Anstrengung aus (auch ohne vorheriges Dranggefühl). Dies tritt unter anderem während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (verminderte Beckenbodenmuskulatur) auf. Auch stark übergewichtigen Personen (Adipositas) leiden häufig unter dieser Form der Inkontinenz.
  • Mischinkontinenz: Mischform aus Drang- und Belastungsinkontinenz
  • Reflexinkontinenz: Diese Form betrifft insbesondere Personen mit psychischen Erkrankungen und Menschen mit Querschnittslähmung. Bei der Reflexinkontinenz (Neurogene Inkontinenz) entleert sich die Blase automatisch, sobald ein bestimmter Füllstand erreicht ist.
  • Überlaufinkontinenz: Ähnlich wie bei der Reflexinkontinenz entleert sich die Blase automatisch (jedoch häufig nur in tröpfelnder Form). Es kommt hinzu, dass die Blase nicht komplett entleert werden kann. Diese Form tritt insbesondere bei physiologischen Altersveränderung auf, bei Vergrößerungen der Prostata und bei Detrusorhypoaktivität (Schwäche des Blasenmuskels).
  • Funktionelle Inkontinenz: Diese Form der Inkontinenz tritt besonders bei Personen mit DemenzSchlaganfall, psychischer Behinderung oder nach postoperativen Eingriffen auf.

Symptome der Inkontinenz erkennt man in der Regel schnell. Diese zu thematisieren und mögliche Behandlungsmöglichkeiten mit einem Arzt zu besprechen, fällt vielen Betroffenen jedoch sehr schwer. Dieser Schritt ist allerdings zwingend notwendig, denn umso früher die Behandlung angetreten wird, desto besser sind die Erfolge – oft bis hin zu einer vollständigen Heilung der Inkontinenz.

Pflege und Behandlung

Wie pflegt und behandelt man Menschen mit Inkontinenz?

Inkontinenz Behandlungskoffer

Im Pflegebereich ist es wichtig, eine Inkontinenz schnell zu identifizieren und möglichst bald mit einer passenden Behandlung zu beginnen. Hilfsmittel zur Bewältigung einer Inkontinenz können zudem Urinbehälter, wasserdichte Spannbezüge, Windeln und Einlagen sein. Ist die Inkontinenz festgestellt, sollte umgehend mit einem Arzt über die Behandlungsmöglichkeiten gesprochen werden. Zu den gängigsten zählen neben einer medikamentösen Behandlung das Beckenbodentraining, die Elektrotherapie des Beckenbodens sowie das Beckenbodentraining mit Biofeedback.

Hilfreich ist es zudem, die Ursachen der Inkontinenz zu bekämpfen. Demnach kann etwa Gewichtsverlust, der Verzicht auf Kaffee, Zigaretten und Alkohol oder eine Verhaltenstherapie helfen. Auch Operationen sind eine Möglichkeit, um Inkontinenz dauerhaft zu verhindern. So können etwa künstliche Schließmuskel oder Schlingen unterhalb der Harnröhre eingesetzt werden.

In vielen Fällen geht eine Inkontinenz einher mit einer allgemeinen Pflegebedürftigkeit, beispielsweise durch eine Demenz oder körperliche Einschränkungen. Dann ist es ratsam, eine stundenweise Betreuung mit in Erwägung zu ziehen, die bei der Inkontinenzversorgung, beim Toilettengang, aber auch bei anderen alltäglichen Aufgaben helfen kann. Wichtig: Finden Sie einen Anbieter mit voller Pflegekassenzulassung, damit die private Zuzahlung möglichst gering ausfällt oder ganz wegfällt. Über unser kostenloses Service-Telefon (0800 122 273 0) helfen wir Ihnen gerne, einen passenden Anbieter zu finden, der freie Kapazitäten hat. Dieses Angebot ist für Sie vollständig kostenfrei, da es durch Beiträge der Pflegedienstleister finanziert wird.

Besonderheiten

Inkontinenz - Was gilt es zu beachten?

Gespräch zwischen Mann und Frau wegen Inkontinenz

Im Gegensatz zu anderen Krankheiten wird eine Inkontinenz in den meisten Fällen aus Schamgefühl geheim gehalten. Aus diesem Grund folgt eine Diagnose meist erst Wochen oder Monate nach dem Beginn, in Einzelfällen auch erst nach Jahren. Darum sollten Angehörige und Pflegepersonal unbedingt aufmerksam auf Anzeichen achten und bei Verdacht die betroffene Person möglichst schonend darauf ansprechen. Vorwürfe oder Schuldzuweisungen haben bei diesen Gesprächen keinen Platz. Versuchen Sie den Betroffenen klarzumachen, dass Hilfe möglich ist und ein Besuch beim Arzt Abhilfe verschaffen kann.

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Dokumente

Inkontinenz - Dokumente

Das Wichtigste auf einem Blick: Inkontinenz.pdf

FAQ

Häufige Fragen zum Thema Inkontinenz

Ist Inkontinenz behandelbar?

Ja, es gibt eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten. Von Medikamenten über Beckenbodenübungen bis hin zu Operationen. Auch Hilfsmittel wie Windeln, Einlagen oder Urinflaschen können als Übergangslösungen bei Inkontinenz helfen.

Was sind typische Symptome von Inkontinenz?

Besonders bei älteren Menschen treten Blasenschwäche und Stuhlinkontinenz verstärkt auf. Die Symptome reichen von tröpfchenweiser Blasenschwäche, über durch Stress ausgelöste Inkontinenz, bis hin zu unkontrollierbarem Wind und Stuhl.

In welchem Alter tritt Inkontinenz am häufigsten auf?

Die Krankheit tritt am häufigsten bei älteren Menschen (über 67 Jahre) auf. Aber auch während der Schwangerschaft und nach der Entbindung kommt es häufig zu Inkontinenz.

Ist Inkontinenz vererbbar?

Nein, allerdings kann die Anatomie des Beckenbodens vererbt werden. Diese kann mitunter für ein erhöhtes Inkontinenz-Risiko sorgen.

Welche Formen von Inkontinenz werden unterschieden?

Im Allgemeinen wird zwischen Blasen- und Stuhlinkontinenz unterschieden. Weitere Formen (abhängig von der Ursache) sind: Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz, Mischinkontinenz, Überlaufinkontinenz, Reflexinkontinenz und funktionelle Inkontinenz.

Kann man mit Inkontinenz noch unabhängig und selbstbestimmt leben?

Ja, lässt man sich behandeln, ist das Leben mit Inkontinenz kein Problem. In vielen Fällen kann die Krankheit komplett geheilt werden, sodass keinerlei Einschränkungen für ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben vorhanden sind.

Wie häufig kommt Inkontinenz vor?

Knapp 8 Millionen Menschen in Deutschland, insbesondere Senioren, leiden an Inkontinenz.


Prof. Dr. Martin Przewloka PortraitProf. Dr. Martin Przewloka
Über den Autor:

Prof. Dr. Martin Przewloka hat im eigenen familiären Umfeld umfangreiche Erfahrungen mit dem Thema Pflege gesammelt und teilt sein Wissen über verschiedene Kanäle mit anderen pflegenden Angehörigen. Durch seinen Universitätsabschluss in Medizinischer Physik (Universität Kaiserslautern) versteht er zudem die gesundheitlichen Hintergründe der unterschiedlichen Erkrankungen und kann sich in die Lage der Pflegebedürftigen hineinversetzen.