Demenz
Roter Kopf mit grauen Wolken darin

Demenz und Alzheimer - Demenzsymptome, Demenzformen, Pflege und Behandlung

Demenz ist ein Überbegriff für Erkrankungen, die die geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen, also das Denken, Erinnern, Orientieren sowie Verknüpfen von Gedanken beeinträchtigt. Abhängig vom Fortschritt der Erkrankung können Betroffene kein eigenständiges Leben mehr führen und sind auf die Hilfe von Pflegepersonal oder Verwandten angewiesen. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Demenz (auch neurodegenerative Demenz genannt), welche in ca. zwei Dritteln der Fälle diagnostiziert wird. Die Erkrankung wird durch ein Ungleichgewicht von Botenstoffen hervorgerufen und führt zum kontinuierlichen Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Die Störungen der Botenstoffe können durch Medikamente (sogenannte Antidementiva) positiv beeinflusst, aber nicht vollständig aufgehalten werden. Demenz ist vor allem ein Thema im hohen Alter: Während 65-Jährige nur vergleichsweise selten erkranken (4 %), ist die Krankheit bei fast einem Drittel der über 90-jährigen nachweisbar.


Ihr Angehöriger ist an Demenz erkrankt und Sie suchen dringend Hilfe, beispielsweise in Form einer 24-Stunden- oder einer stundenweisen Seniorenbetreuung? Unter unserer Service-Hotline 0800 122 273 0 beraten wir Sie und finden kostenlos einen Anbieter in Ihrer Nähe, der freie Kapazitäten für die Betreuung hat. Dieses Angebot ist für Sie vollständig kostenfrei und wird durch Beiträge der Pflegedienstleister finanziert.

Autor: Prof. Dr. Martin Przewloka

Zuletzt bearbeitet am 4/15/2021 von: Jan Götz (Redakteur)

Inhaltsverzeichnis
  • Symptome und Varianten
  • Pflege und Behandlung
  • Besonderheiten
  • Dokumente
  • FAQ
Symptome und Varianten

Was sind Demenzsymptome und welche Varianten von Demenz und Alzheimer gibt es?

Kopf mit Zahnrädern

Demenz tritt in ca. 50 verschiedenen Formen auf. Die am häufigsten diagnostizierten Formen sind:

  1. Alzheimer (ca. 65%)
  2. Vaskuläre Demenz (15%)
  3. Mischformen von Demenz (15%)
  4. Sonstige, wie zum Beispiel Lewy-Körper-Demenz (5%)

Alzheimer (auch degenerative Demenz genannt) äußert sich durch Störungen in den Bereichen Gedächtnis, Urteilsvermögen, Sprache, Orientierung sowie in Persönlichkeitsveränderungen. Betroffene können zu Beginn der Krankheit oftmals noch unabhängig den Alltag bestreiten, dies nimmt jedoch mit dem Krankheitsverlauf stetig ab. Die Ursache liegt in einer Störung von Botenstoffen im Gehirn, welche das Absterben von Nervenzellen bewirkt. Die Diagnose erstellen Ärzte unter anderem anhand einer körperlichen Untersuchung, Labortests und speziellen Demenz-Tests.


Die vaskuläre Demenz entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen, was zu einer plötzlichen und dauerhaften Verschlechterung von Hirnleistungen führt, welche einem Schlaganfall ähnelt. Einige der Hauptursachen für diese Form der Demenz sind Herzrhythmusstörungen, hoher BlutdruckDiabetes, Übergewicht sowie Alkoholsucht und Rauchen. Die Symptome ähneln denen der Alzheimer-Demenz und beinhalten unter anderem einen unsicheren Gang, schwer kontrollierbaren Harndrang, aber auch Erinnerungslücken und Orientierungslosigkeit. Eine vaskuläre Demenz kann vom Arzt mit Hilfe eines CT oder MRT diagnostiziert werden.


Mischformen zwischen vaskulärer Demenz und degenerativen Demenzen (Alzheimer) treten ebenfalls auf und können sich gegenseitig begünstigen, beispielsweise bei hohem Übergewicht bei einer bestehenden degenerativen Demenz.


Pflege und Behandlung

Wie sehen Behandlung und Pflege bei den verschiedenen Demenzformen und Alzheimer aus?

Pflegerin

Demenzen können aus heutiger Sicht nicht geheilt werden. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Symptome zu lindern. Hierzu kommen Antidementiva gegen kognitive Störungen und Antipsychotika gegen psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten zum Einsatz. Jedoch gibt es auch einige nichtmedikamentöse Therapieformen, zu denen unter anderem Gedächtnis- und Orientierungstraining gehören. Auch eine Verhaltens-, Ergo- und Physiotherapie kann in vielen Fällen zu guten Resultaten führen, da somit die Selbstständigkeit in Alltagssituationen trainiert wird.

Im Verlauf der Krankheit sind Pflegeleistungen meist nicht vermeidbar. Zu Beginn der Krankheit hilft meist eine stundenweise Betreuung von einem Pflegedienst, der auf Demenzkranke ausgerichtet ist. Ein Betreuer schaut am Tag oder in der Nacht für ein paar Stunden nach dem Rechten und hilft im Alltag mit, beispielsweise bei der Essenszubereitung, bei der Hygiene oder beim Sauberhalten der Wohnung. So kann der oder die Pflegebedürftige auch über einen längeren Zeitraum im eigenen Zuhause leben und viel Lebensqualität behalten.


Wichtig: Finden Sie einen Anbieter mit voller Pflegekassenzulassung, sodass die private Zuzahlung entfällt oder möglichst niedrig ist. Über unser Service-Telefon (0800 122 273 0) helfen wir Ihnen gerne, einen passenden Anbieter in Ihrer Umgebung zu finden, der freie Kapazitäten hat. Dies ist für Sie vollständig kostenfrei und wird durch Beiträge der Pflegedienstleister finanziert.


Im späteren Verlauf gibt es weitere angepasste Formen der Pflege, beispielsweise stationäre Einrichtungen (wie Demenz-Altersheime) oder auch Angebote der Tages- und Nachtpflege.

Besonderheiten

Wie sollten Alltag und Umgang mit demenziell erkrankten Personen aussehen?

Frau mit Blitz über dem Kopf zuckt die Schultern

Die Diagnose einer Demenzerkrankung löst bei Betroffenen oftmals große Unsicherheit aus, vor allem wenn das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten bereits vorher durch die Patienten selbst bemerkt wurde. Wichtig ist, dass den Betroffenen diese Angst genommen und ein möglichst strukturierter Tagesablauf geschaffen wird, um den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern. Beängstigend sind vor allem Situationen mit komplexen Entscheidungsmöglichkeiten, welche die Patienten verunsichern und überfordern. In der Kommunikation sollte daher vor allem auf einfache Sprache und weniger Entscheidungsmöglichkeiten geachtet werden. 


Kommt es zum Streit mit einem Demenzkranken, sollten Angehörige nicht versuchen, diesen zu gewinnen. Aggressivität und auch Beleidigungen können durchaus Symptome der Krankheit sein. Die Betroffenen sind in diesen Fällen oftmals nicht in der Lage, sich anders auszudrücken, was Pflegende immer beachten sollten.

Korb mit Putzmitteln


Zum Abbau von Nervositäten und Unsicherheiten führt auch die Beibehaltung eines gewohnten Umfelds (Menschen sowie Orte) sowie regelmäßige gewohnte Aktivitäten mit vertrauten Mitmenschen. Gedächtniskarten wie z.B. gelbe Zettel an Türen können dabei helfen, den Betroffenen an bestimmte Aktivitäten, wie beispielsweise das Duschen, zu erinnern. Um das eigene Zuhause sicherer zu gestalten, sollte die Wohnung auf mögliche Gefahrenquellen, also lose Kabel, hohe Teppichkanten und fehlende oder nicht funktionierende Rauchmelder überprüft werden. 


Es ist weiterhin sinnvoll, den Betroffenen den Zugang zu potenziell gefährlichen Substanzen, beispielsweise Reinigungsmitteln und auch Medikamente (Überdosierung), zu verwehren.

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Dokumente

Demenzformen, Demenzsymptomen und Alzheimer - Dokumente

Das Wichtigste auf einem Blick: Demenz.pdf

FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Thema Demenz und Alzheimer

Wie häufig und in welchem Alter kommt Demenz vor?

Demenz ist eine der häufigsten Krankheiten im Alter. In Deutschland sind etwa 1,6 Millionen Menschen betroffen. Im jungen sowie mittleren Alter ist Demenz eine kaum vorkommende Erscheinung. Jedoch nehmen die Fälle ab dem 80. Lebensjahr rapide zu. Über 90-Jährige sind fast zu einem Drittel von der Krankheit betroffen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose Demenz wird sowohl auf Basis von körperlichen als auch mittels psychologischer Untersuchungen gestellt. Wahrnehmungsfähigkeit, Denkvermögen, Sprache und Gedächtnis können mit psychologischen Tests geprüft werden. Körperliche Untersuchungen können mit CT und MRT, aber auch mit Labordiagnostik durchgeführt werden. Einen hohen Stellenwert hat auch das Gespräch mit den Angehörigen und Patienten.

Gibt es einen Schutz gegen Demenz?

Einen allumfassenden Schutz gibt es nicht. Jedoch kann Risikominimierung betrieben werden. Körperliche, geistige und soziale Aktivitäten sowie eine ausgewogene Ernährung sind wichtige Bausteine der Vorbeugung. Weiterhin ist es ratsam, Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes frühzeitig behandeln zu lassen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Demenz ist nicht heilbar, jedoch lässt sich das Fortschreiten der Krankheit durch Medikamente und verschiedene Therapieansätze verzögern. Zu den Medikamenten zählen beispielsweise Antidementiva zur Verbesserung der Gedächtnisfunktionen. Ergotherapie, Sprachtherapie sowie Verhaltenstherapie zählen zu den nicht-medikamentösen Behandlungsmethoden. Weiterhin ist es wichtig, dass Betroffene ein soziales Umfeld zur Verfügung haben und sich regelmäßig sozial austauschen können.

Wie sollte man mit Demenzkranken umgehen?

Der Umgang mit Demenzkranken sollte nachgiebig und besonders verständnisvoll sein. Es hilft wenig, die Krankheit zu verleugnen. Stattdessen sollten sowohl Betroffene als auch Verwandte einen offenen Umgang mit dem Thema pflegen, um Ängste nicht zu schüren. Verhalten sich Pflegebedürftige im Gegensatz zu früher aggressiv und beleidigend, so sind die neuen Verhaltensweisen auf die Krankheit zurückzuführen, für die der Betroffene nichts kann. Trotz aller Schwierigkeiten müssen Betreuer versuchen, Ruhe zu bewahren und den Kontakt nicht abbrechen zu lassen.

Welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es für Demenzkranke und worauf ist zu achten?

Ein Großteil der Demenzkranken wird zuhause von Verwandten oder mit Hilfe von ambulanten Pflegediensten gepflegt. Möglich sind auch Tagespflegeeinrichtungen, die eine Betreuung tagsüber sicherstellen können. Wenn Betreuer aus dem Familienumfeld mal Zeit für sich benötigen, dann kann Kurzzeitpflege die Lösung sein. In diesem Fall werden Betroffene vorübergehend in einer Einrichtung untergebracht. Wenn die ambulante Hilfe nicht mehr ausreicht, können Betroffene dauerhaft in stationären Einrichtungen (z.B. betreutes Wohnen und Pflegeheime) untergebracht werden.

Unterstützt die Pflegekasse bei Demenzerkrankungen?

Ja, die Pflegekasse unterstützt Demenzerkrankte sowohl finanziell als auch mit Sachleistungen. Wie hoch diese Zuwendungen ausfallen, hängt vom Pflegegrad ab, der von Gutachtern der Pflegekasse individuell festgelegt wird.

Was passiert, wenn Betroffene keine eigenen Entscheidungen mehr treffen können?

Im Laufe des Krankheitsverlaufs kommt es in den meisten Fällen dazu, dass die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, wichtige Entscheidungen für sich oder andere zu treffen. Ist die Geschäftsfähigkeit des Betroffenen noch vorhanden, können Entscheidungsbefugnisse per Vollmacht auf eine oder mehrere andere Personen übertragen werden. Wünsche zur Behandlung können weiterhin in einer Patientenverfügung genau definiert werden. Liegt keine Vollmacht vor, wird vom Betreuungsgericht ein gerichtlicher Betreuer zugewiesen, welcher über alle relevanten Belange entscheiden kann.


Prof. Dr. Martin Przewloka PortraitProf. Dr. Martin Przewloka
Über den Autor:

Prof. Dr. Martin Przewloka hat im eigenen familiären Umfeld umfangreiche Erfahrungen mit dem Thema Pflege gesammelt und teilt sein Wissen über verschiedene Kanäle mit anderen pflegenden Angehörigen. Durch seinen Universitätsabschluss in Medizinischer Physik (Universität Kaiserslautern) versteht er zudem die gesundheitlichen Hintergründe der unterschiedlichen Erkrankungen und kann sich in die Lage der Pflegebedürftigen hineinversetzen.