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Pflegeversicherung
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Pflegeversicherung - Beiträge, Alternativen und Besonderheiten

Die 1995 eingeführte Pflegeversicherung ist ein eigener Zweig der Sozialversicherung. Somit zahlen alle Menschen, die gesetzlich krankenversichert sind auch automatisch in die Pflegeversicherung ein. Aber auch privat krankenversicherte Personen müssen eine Pflegeversicherung abschließen.


Betrachtet man den demografischen Wandel, so verwundert es nicht, dass eine Pflegeversicherung heute Pflicht ist. Das Bundesgesundheitsministerium erklärt, dass „in Deutschland die Anzahl älterer Personen (67 Jahre und älter) bis zum Jahr 2040 voraussichtlich auf knapp 21,5 Millionen steigen (wird).“ Verglichen mit heutigen Zahlen ist dies ein Anstieg von fast 40%. Es gibt aber nicht nur mehr alte Menschen, sondern wir werden auch immer älter. Wer in den sechziger Jahren in Deutschland geboren wurde, hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 67 Jahren (Männer) und 72 Jahren (Frauen). Im Vergleich zu dazu haben Menschen, die im Jahre 2016 geborenen wurden, eine Lebenserwartung von 78 Jahren (Männer) und 83 Jahren (Frauen) (Quelle).


Die Lebenserwartung ist somit in den vergangenen 60 Jahren um knapp 10 Jahre angestiegen. Ein Mädchen, dass im Jahr 2018 geboren wird, hat demnach gute Chancen, den Anfang des 22. Jahrhunderts mitzuerleben. Der springende Punkt dabei ist, dass „ab dem 80. Lebensjahr die statistische Wahrscheinlichkeit auf rund 32% steigt, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Das heißt: Je älter die Bevölkerung, desto höher die Zahl der Pflegebedürftigen“ (Quelle). Im selben Atemzug veränderte sich in den vergangenen Jahrzehnten die Familienstruktur. So ist es heute für Senioren nicht mehr selbstverständlich, von ihren Kindern gepflegt zu werden. Einerseits leben vergleichsweise wenige Familien noch zusammen, andererseits ist es aus zeitlichen Gründen für Berufstätige nahezu unmöglich, privat zu pflegen. Auch hat sich die Anzahl der Kinder verringert, sodass die Last der Pflege nicht selten von einem, oder zwei Angehörigen getragen werden muss. Aus diesem Grund fallen immer mehr Kosten in der Pflege an, da sowohl stationäre Einrichtungen, als auch ambulante Pflegedienstleister immer häufiger genutzt werden.


Sind Sie auf der Suche nach einem ambulanten Pflegedienst, einer stundenweisen oder 24-Stunden-Seniorenbetreuung, unterstützen wir Sie gerne! Rufen Sie uns unter folgender kostenloser Hotline an: 0800 122 273 0. Der Service ist für Sie komplett kostenfrei, da wir über Beiträge der Pflegedienstleister finanziert werden. Wir achten dabei auf eine volle Pflegekassenzulassung der Anbieter. Aufgrund dessen können die Anbieter mit der Pflegeversicherung abrechnen, sodass auf Sie lediglich eine Zuzahlung hinzukommen kann.


1995 wurde die Pflegeversicherung eingeführt und 2015 mit den Pflegestärkungsgesetzen weiter vorangetrieben. So soll auch in Zukunft die Pflege gesichert sein, damit für alle Menschen ein Altern in Würde möglich ist.

Autor: Prof. Dr. Martin Przewloka

Zuletzt bearbeitet am 7/22/2021 von: Jan Götz (Redakteur)

Inhaltsverzeichnis
  • Zielgruppen und Varianten
  • Beantragung
  • Kosten
  • Besonderheiten
  • Dokumente
  • FAQ
Zielgruppen und Varianten

Wer hat Anspruch auf die gesetzliche Pflegeversicherung?

Senioren die winken

Alle Menschen, die gesetzlich versichert sind, zahlen automatisch in die staatliche Pflegeversicherung ein. Aber auch jeder Privatversicherte muss eine Pflegeversicherung abschließen. Ausnahmen gibt es keine. Es ist jedoch für jeden möglich, eine private Zusatzversicherung abzuschließen, da die staatliche Pflegeversicherung prinzipiell nie für alle anfallenden Kosten aufkommen wird.


Die drei Varianten von privaten Zusatzversicherungen sind:

· Pflegetagegeldversicherungen kommen für ein festgelegtes Pflegetagesgeld auf. Die Tagesgeldversicherung ist in der Regel an den Pflegegrad gebunden und wie die Leistungen der staatlichen Versicherungen gestaffelt. Umso höher der Pflegegrad, desto mehr wird ausgezahlt.


· Pflegekostenversicherungen erstatten die tatsächlich anfallenden Kosten, wenn diese nachgewiesen werden können. Weitere Varianten, bei denen das Versicherungsunternehmen einen festgelegten jährlichen Höchstsatz oder einen Prozentsatz der Kosten bezahlt, sind möglich.


· Pflegerentenversicherungen ähneln Rentenversicherungen und Lebensversicherungen. Der Versicherungsnehmer spart über einen langen Zeitraum Geld, das im Pflegefall monatlich ausgezahlt wird oder in eine Einmalzahlung mündet.

Beantragung

Wie beantrage ich die Pflegeversicherung?

Da die staatliche Pflegeversicherung für alle Versicherten Pflicht ist, muss diese nicht beantragt werden. Informationen zu Vor- und Nachteilen der staatlichen Pflegeversicherung finden Sie auch als Download in unserer Dokumentenrubrik.

Kosten

Welche Kosten und Beiträge fallen bei der Pflegeversicherung an?

Der Beitrag lag seit 2017 für Personen mit Kindern bei 2,55 % des beitragspflichtigen Einkommens und bei 2,8 % für Kinderlose. Das Bundesgesundheitsministerium gab im Juni 2018 bekannt, dass die Beiträge im Jahr 2019 weiter ansteigen. Grund hierfür war eine falsche Berechnung der Mehrausgaben, da Leistungen der Pflegeversicherung von etwa 100.000 Menschen mehr in Anspruch genommen wurden, als ursprünglich vorhergesehen. Die neuen Beiträge seit 2019 betragen 3,05 % für Personen mit Kindern und 3,3 % für Kinderlose.

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Besonderheiten

Pflegeversicherung - Was gilt es zu beachten?

Zettel mit einem Schild

Betrachten wir die staatliche Pflegeversicherung im europäischen Vergleich, dann bewegt sich Deutschland im Mittelfeld. Besonders der private Eigenanteil für Zuzahlungen in der Pflege ist in Deutschland hoch. So werden in Deutschland von den privaten Haushalten durchschnittlich 109€ für Pflegeleistungen ausgegeben – in Frankreich hingegen sind es nur 2€, in Belgien 32€ (Quelle). Woher kommen diese Unterschiede?


Die meisten Kosten für private Haushalte in Deutschland entstehen durch Zusatzzahlungen, die von den Pflegekassen nicht abgedeckt werden. So müssen etwa die Mahlzeiten und die Unterkunft in stationären Einrichtungen selbst gezahlt werden. Auch Leistungen, die über den Sätzen der Pflegeversicherungen liegen, müssen privat gezahlt – oder zumindest mit Zuschüssen ausgeglichen werden. Somit greifen die Deutschen bei der Pflege weit tiefer in die eigene Tasche, als es der Rest Europas macht. Doch im selben Rahmen muss beachtet werden, dass das durchschnittliche Einkommen der Deutschen höher ist, als in den meisten EU-Staaten. Auch die Ausgestaltung des Pflegesystems ist besser als in vielen Nachbarländern. Man könnte also sagen: Qualität hat ihren Preis.

Dokumente

Gesetzliche Pflegeversicherung - Dokumente

Vor- und Nachteile: Staatliche Pflegeversicherung.pdf

FAQ

Häufig gestellte Fragen zur gesetzlichen Pflegeversicherung

Ist die staatliche Pflegeversicherung Pflicht?

Ja, jeder gesetzlich Versicherte zahlt auch in die Pflegeversicherung ein. Auch Privatversicherte müssen in eine Pflegeversicherung einzahlen.

Wie hoch sind die Beiträge für die staatliche Pflegeversicherung?

Aktuell liegen die Beiträge noch bei 2,55 % und 2,8 % für Kinderlose. Wie Gesundheitsminister Spahn im Juni 2018 bekanntgab, werden diese Beiträge allerdings im Jahr 2019 weiter ansteigen. Die neuen Beiträge liegen demnach ab Anfang 2019 bei 2,85 % und 3,1 % für Kinderlose.

Deckt die staatliche Pflegeversicherung alle Kosten der Pflege?

Nein, die staatliche Pflegeversicherung deckt in etwa die Hälfte der Kosten. Je nach Pflegegrad, Art und Intensität der Pflege, können sich die privaten Kosten allerdings verringern oder erhöhen. Um plötzliche Kosten zu vermeiden, eignen sich private Zusatzversicherungen.

Welche Alternativen gibt es?

Wenige. Wer gesetzlich versichert ist, zahlt auch in die Pflegeversicherung ein. Wer privat versichert ist, muss ebenfalls eine Pflegeversicherung abschließen. Lediglich Zusatzversicherungen können ergänzend abgeschlossen werden.

Welche privaten Zusatzversicherungen gibt es?

Im Grunde lassen sich alle privaten Zusatzversicherungen in drei Kategorien teilen:

o  Pflegetagegeldversicherungen zahlen für ein festgelegtes Pflegetagesgeld. Die Tagesgeldversicherung ist normalerweise an den Pflegegrad gebunden und genauso wie die Leistungen der staatlichen Versicherungen gestaffelt. Je höher der Pflegegrad, desto mehr wird ausgezahlt.

o  Pflegekostenversicherungen erstatten die tatsächlich anfallenden Kosten, wenn diese mit nachgewiesen werden können. Weitere Varianten, bei denen das Versicherungsunternehmen einen festgelegten jährlichen Höchstsatz oder einen Prozentsatz der Kosten bezahlt, sind möglich.

o  Pflegerentenversicherungen haben ein ähnliches Prinzi wie Rentenversicherungen und Lebensversicherungen. Der Versicherungsnehmer spart Geld an, welches im Pflegefall ausgezahlt wird. Die Auszzahlung kann monatlich oder einmalig erfolgen.

Wie schneidet Deutschland im europäischen Vergleich ab?

Die Ausgestaltung des Pflegebereichs ist überdurchschnittlich, die privaten Kosten aber auch. Mit 109€ durchschnittlichem Eigenanteil pro Einwohner, liegt Deutschland weit über dem europäischen Schnitt.


Prof. Dr. Martin Przewloka PortraitProf. Dr. Martin Przewloka
Über den Autor:

Prof. Dr. Martin Przewloka hat im eigenen familiären Umfeld umfangreiche Erfahrungen mit dem Thema Pflege gesammelt und teilt sein Wissen über verschiedene Kanäle mit anderen pflegenden Angehörigen. Durch seinen Universitätsabschluss in Medizinischer Physik (Universität Kaiserslautern) versteht er zudem die gesundheitlichen Hintergründe der unterschiedlichen Erkrankungen und kann sich in die Lage der Pflegebedürftigen hineinversetzen.